
Handschriften
Mittelalterliche Handschriften
Die Kantonsbibliothek Thurgau verfügt über einen ansehnlichen Bestand von rund 50 grösstenteils spätmittelalterlichen Handschriften. Diese sind überwiegend aus den thurgauischen Klöstern in die Kantonsbibliothek gelangt, stammen aber zum Teil auch aus süddeutschen Klöstern.
Inhaltlich überwiegen die liturgischen Handschriften. Die frühesten Handschriften stammen aus dem 13. Jahrhundert. Besonders bemerkenswert ist wegen seiner prächtigen Ausgestaltung das sogenannte Ittinger Antiphonar. Es wurde 1493 für die Kartause St. Johannisberg in Freiburg im Breisgau hergestellt und 1583 von der Kartause Ittingen käuflich erworben. Eine der ältesten Handschriften ist ein Brevier, das höchstwahrscheinlich aus Besançon stammt und um das Jahr 1250 entstanden sein dürfte. Erwähnenswert ist auch das „Utrechter Stundenbuch“, das vermutlich zwischen 1420 und 1430 im flämischen Gebiet entstanden ist sowie eine Historienbibel, die um 1450 in der Werkstatt des Elsässer Künstlers Diebold Lauber in Hagenau niedergeschrieben und illustriert wurde. Äusserlich wenig spektakulär, dafür inhaltlich umso bedeutsamer ist das „Schwesternbuch von St. Katharinental“, eine der insgesamt drei Handschriften, die davon überhaupt existieren. Es wurde im 15. Jahrhundert verfasst.
Frühneuzeitliche und neuzeitliche Handschriften
Neben liturgischen Handschriften sind auch zahlreiche Handschriften geschichtlichen Inhalts in die Kantonsbibliothek Thurgau gelangt, so vor allem Chroniken und Werke zur Orts-, Personen- und Klostergeschichte sowie über die Geschichte der Landgrafschaft Thurgau. Daneben finden sich rechtliche Texte. Aus dem 19. Jahrhundert stammen zahlreiche Kolleghefte bedeutender Thurgauer Persönlichkeiten. Besonders erwähnenswert sind die Werke des Kartäusers Heinrich Murer, der von 1614-1638 in der Kartause Ittingen lebte: Darunter befindet sich eine Geschichte der Schweizer Heiligen und zahlreiche Chroniken schweizerischer Klöster, die als Vorarbeiten zu einer umfassenden Publikation mit dem Titel „Theatrum ecclesiasticum Helvetiorum“ („geistlicher Schauplatz Helvetiens“) gedacht waren.
In der virtuellen Handschriftenbibliothek der Schweiz (e-codices)sind 12 frühneuzeitliche Handschriften der Kantonsbibliothek Thurgau in digitalisierter Form einsehbar.

